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Ackerwildkräuter - Etablierung von Erhaltungsäckern
Die Technische Hochschule Bingen und die Landeshauptstadt Mainz kooperieren im Projekt „Rückkehr und Schutz von Ackerwildkräutern - Etablierung von Erhaltungsäckern in Rheinland-Pfalz“. Gefördert wird das Projekt über die Aktion Grün des Landes Rheinland-Pfalz.
Ackerwildkräuter sind der wichtigste Baustein für Biodiversität auf Äckern. Doch die Bestände vieler Arten sind in den vergangenen Jahren weiter zurückgegangen. Viele Arten stehen bereits kurz vor dem Aussterben.
Das Ziel des Projektes ist daher die Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern durch die Schaffung eines Netzes an Erhaltungsäckern und die Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit von Erhaltungsäckern zu prüfen. Auf den Erhaltungsäckern werden die optimalen Bedingungen für die Ackerwildkräuter geschaffen, indem das Getreide weniger dicht ausgesät wird und die Ackerwildkräuter und nicht der Getreide-Ertrag im Vordergrund stehen. Ein weiteres Ziel ist,
Die Bestände an Ackerwildkräutern sowie Standorte, die sich für deren Ansiedlung in Rheinland- Pfalz eignen, werden dokumentiert. Zusätzlich wird eine Saatgutbank in Mainz weiter mit Proben beliefert werden, um so eine noch umfangreichere Sicherung der Ackerwildkräuter zu gewährleisten.
Das Projekt ist ein Modellprojekt, um neue Konzepte und Verfahren für den Erhalt bedrohter Pflanzenarten zu erproben.
Bildergalerie, 13 Bilder
Acker-Hellerkraut - Thlaspi arvense
Rote Liste RLP:
* (ungefährdet)
Rote Liste D:
* (ungefährdet)
Blüte:
Weiß
Blatt:
Mittlere und obere Blätter sitzend, am Grund pfeilförmig stängelumfassend
Wuchsform:
10 – 50 cm, Lauchgeruch, Stängel kantig
Blütezeitpunkt:
April - September
Standort:
Äcker und Ruderalfloren
Bewirtschaftung:
Wintergetreide, da sie im Herbst keimen
Wissenswertes:
Schöttchen fast kreisrund, deshalb der deutsche Name Hellerkraut
Bodenart:
Lehmige Böden
Gesellschaft:
Verbandscharakterart der Hellerkraut-Erdrauch-Gesellschaft
Standortbedingungen:
keine bestimmte feuchte, neutral, mesothroph
Acker-Schwarzkümmel - Nigella arvensis
Rote Liste RLP:
1 (vom Aussterben bedroht)
Rote Liste D:
1 (vom Aussterben bedroht)
Blüte:
weiß, Blüte ohne Hochblattkranz, 23 – 34 mm Durchmesser
Blatt:
2-3 fach fiederteilig mit lineal fadenförmigen Abschnitten
Wuchsform:
15 – 40 cm, verzweigt
Blütezeitpunkt:
Juli - September
Standort:
Getreideäcker und Brachen
Bewirtschaftung:
extensive Bewirtschaftung, wichtig aufgrund der späten Samenreife sind das belassen hoher Stoppel und der späte Umbruch
Bodenart:
lehmig-steinige Äcker
Gesellschaft:
Verbandskennart der Haftdolden-Gesellschaft
Standortbedingungen:
trocken, basisch, oligothroph
Acker-Steinsame - Buglossoides arvensis
Rote Liste RLP:
3 (gefährdet)
Rote Liste D:
V (Vorwarnliste)
Blüte:
wachsen in verlängerten Wickeln, meistens weiß
Blatt:
Länglich eiförmig bis lanzettlich und dicht anliegend borstig behaart, wechselständig
Wuchsform:
10 – 50 cm, am Grund ästig verzweigt, angedrückt-borstig behaart
Blütezeitpunkt:
April - Juli
Standort:
Äcker und Brachen, Wegränder
Bewirtschaftung:
extensive Bewirtschaftung
Wissenswertes:
untere Samen sind reif, während sie an der spitze noch blüht
Bodenart:
flachgründige und skelettreiche Kalkäcker, Äcker auf Löss-, Lehm- oder Tonboden
Gesellschaft:
Verbandskennart der Haftdolden-Gesellschaft
Standortbedingungen:
indifferent für Feuchtigkeit, neutral, mesotroph
Ackerringelblume - Calendula arvensis
Rote Liste RLP:
1 (vom Aussterben bedroht)
Rote Liste D:
1 (vom Aussterben bedroht)
Blüte:
hellgelb
Blatt:
länglich lanzettlich, entfernt gezähnt
Wuchsform:
10 – 40 cm
Blütezeitpunkt:
April - Oktober
Standort:
besonders Weinberge, sandige bis lehmige, trockene Äcker, Brachen
Bewirtschaftung:
extensive Bewirtschaftung, sowohl im Frühjahr, wie auch im Herbst aussäbar
Wissenswertes:
hauptsächliches Verbreitungsgebiet sind Weinbauregionen
Bodenart:
Bevorzug Kalkböden
Gesellschaft:
Assoziationsdifferentialart der Weinbergslauch-Gesellschaft
Standortbedingungen:
trocken, basisch, mesotroph
Dicke Trespe - Bromus grossus
Rote Liste RLP:
1 (vom Aussterben bedroht)
Rote Liste D:
2 (stark gefährdet)
Blüte:
Rispe bis zu 20 cm, locker, hängend, Ährchen mit Grannen 30-50 mm
Blatt:
5 – 10 mm breit, untere Blattschneiden kahl oder locker behaart
Äcker und kurzlebige Unkrautfluren, stickstoffarme, trockene Lehmäcker
Bewirtschaftung:
Extensive Bewirtschaftung, Winter- und Sommergetreide möglich
Bodenart:
stickstoffarme, kalkreiche Lehmäcker
Gesellschaft:
Verbandskennart der Haftdolden-Gesellschaft
Standortbedingungen:
trocken, basisch, oligothroph
Venuskamm - Scandix pecten-veneris
Rote Liste RLP:
1 (vom Aussterben bedroht)
Rote Liste D:
2 (stark gefährdet)
Blüte:
Weiß, Dolden 1 – 3 strahlig
Blatt:
2-3 fach gefiedert
Wuchsform:
10 – 40 cm, zerstreut borstig behaart
Blütezeitpunkt:
Mai - Juli
Standort:
Äcker und kurzlebige Unkrautfluren
Bewirtschaftung:
nur in Wintergetreiden (Keimung im Herbst), extensive Bewirtschaftung
Wissenswertes:
Frucht hat langen Schnabel, überwintert im Rosettenstadium
Bodenart:
Löss-, Lehm-, Kalk-, oder Tonboden
Gesellschaft:
Assoziationscharakterart der Haftdolden-Venuskamm-Gesellschaft
Standortbedingungen:
trocken, basisch, oligothroph
Verkannter-Mohn - Papaver confine
Rote Liste RLP:
* (ungefährdet)
Rote Liste D:
* (ungefährdet)
Blüte:
vier orange bis rot gefärbte Kronblätter, schwarzer Fleck am Grund möglich
Blatt:
stark zerteilt, behaart, sitzend und nicht stängelumfassend
Wuchsform:
30 – 60 cm, abstehend behaart
Blütezeitpunkt:
Mai - Juli
Standort:
Äcker und kurzlebige Unkrautfluren, Böschungen, ruderale Trockenrasen
Bewirtschaftung:
extensive Bewirtschaftung, sowohl in Winter- wie auch Sommergetreide vorkommend
Wissenswertes:
Blütezeit etwa vier Wochen vor jener des Klatschmohns, längliche und unbehaarte Kapseln
Verwechselbar mit:
Gelbmilchender Mohn (Papaver lecoqii)
Bodenart:
Sandboden
Gesellschaft:
Assoziationscharakterart der Sandmohn-Gesellschaft
Standortbedingungen:
mäßig trocken, mäßigsäure, mesothroph
Erhaltungsacker auf dem Lerchenberg
Nach einer Anfang 2024 veranstalteten Tagung der Technischen Hochschule Bingen zum Thema "Bedrohte Ackerwildkräuter", hat die Landeshauptstadt Mainz eine Fläche für einen sogenannten "Erhaltungsacker" zur Verfügung gestellt. Auf dem Acker wurden im Herbst 2024 die zwölf selten gewordenen Ackerwildkräuter zusammen mit Winterweizen von einem lokalen Landwirt ausgesät.
Trotz der insgesamt zu trockenen Witterung ist die erste Saat auf dem Erhaltungsacker auf dem Lerchenberg gut aufgegangen. Der Acker wurde Mitte Juli gedroschen und die hohen Stoppeln stehen gelassen, damit die Samen der spät blühenden Arten ausreifen konnten. Mit der Getreideernte konnte auch das neue Ackerwildkrautsaatgut gewonnen werden.