Vergabe des Preises zur Förderung Mainzer Bildender Künstler:innen 2026
Die Entscheidung der Jury war kein leicht zu treffendes Votum, doch am Ende stand fest: Den Preis zur Förderung Mainzer Bildender Künstlerinnen und Künstler 2026 erhält Ji Heaun Kweon.
Am Donnerstag, 10. September 2026 zeichnete Kulturdezernent Ata Delbasteh Ji Heaun Kweon im „Apollo“ (Ollohof, Boppstraße 42, 55118 Mainz) offiziell mit dem Preis aus. Der Förderpreis ist mit 5.000 EUR dotiert und mit einem Ankauf für die städtische Kunstsammlung verbunden.
„Der Kunstförderpreis der Stadt Mainz gehört zu den wichtigsten Instrumenten, um zeitgenössische Kunst aus Mainz zu fördern und um junge Künstler:innen zu ermutigen, ihre Karriere in unserer Stadt weiterzuverfolgen. Ich freue mich außerordentlich, dass wir den Kunstförderpreis 2026 an eine so vielversprechende Künstlerin vergeben dürfen“, so Delbasteh. „Die Diskussion in der Jury war intensiv, aber stets konstruktiv und voller Respekt vor der Arbeit unserer vier Nominierten.“
Neben Ji Heaun Kweon waren in diesem Jahr auch Ronia Adl-Tabatabai, Maxi Merlin und Leonard Schlöder für den Förderpreis nominiert. Die gemeinsame Ausstellung aller Künstler:innen wurde in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Mainz in deren Ausstellungsraum „Apollo“ im Ollohof gezeigt und ist dort noch bis zum 12. September zu sehen.
Zur Preisträgerin
Durch Linie, Farbe und Materialität erforscht Ji Haeun Kweon die Beziehungen zwischen Körpern, Raum und Wahrnehmung. Ihre künstlerische Praxis wurzelt in der Zeichnung – erweitert durch Papier, Stoff und Installation, um die Erfahrung von Spuren räumlich und materiell auszudehnen. Statt einem vorgegebenen Bild zu folgen, arbeitet sie über Gesten: Die Bewegung der Hand führt die Form. In diesem Prozess entstehen Spuren, die zwischen Wahrnehmung und Empfindung liegen und flüchtige Zustände von Nähe, Distanz und Präsenz sichtbar machen.
Die Materialien, die sie verwendet, sind nicht bloße Werkzeuge der Darstellung, sondern tragen eigene Spuren von Berührung und Gebrauch. Indem sich verschiedene Medien verbinden und überlagern, entstehen Arbeiten, die die subtilen Beziehungen zwischen Körpern und ihrer Umgebung erfahrbar machen. Zeichnung wird so zu einem Ort, an dem sich Körper, Material und Raum begegnen. In den hinterlassenen Spuren entsteht ein Raum, der die Betrachtenden zur eigenen Wahrnehmung einlädt – ohne Anweisung, ohne vorgegebene Bedeutung. Diese Auseinandersetzung setzt sich fort – derzeit in einer neuen Serie, die Zeichnung und Textil verbindet und der Frage nachgeht, wie wir uns der Wirklichkeit entziehen und ihr gleichzeitig begegnen.
Aus dieser Serie stammt auch die ausgestellte Arbeit „HIDE & SEEK“, in der sich Kweon mit dem Verstecken, Ausweichen und Sich-Zeigen beschäftigt.
Zum Preis
Seit dem Jahr 1962 bereits vergibt die Landeshauptstadt Mainz alle zwei Jahre den mit 5.000 Euro dotierten Preis zur Förderung Mainzer Bildender Künstlerinnen und Künstler, der damals anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt gestiftet wurde. 2026 wird er zum nunmehr 33. Mal verliehen.
Die Kandidat:innen werden vom Beirat für Fragen der Bildenden Kunst der Landeshauptstadt Mainz vorgeschlagen, dem acht Persönlichkeiten aus der lokalen Kunst- und Kulturlandschaft angehören. Traditionell präsentieren die nominierten Künstler:innen in einer gemeinsamen Gruppenausstellung (nominell stets in der Rathausgalerie) ihre Werke. Wegen der Sanierungsarbeiten am Rathaus wird die Gruppenausstellung seit 2020 allerdings an wechselnden Orten in Mainz gezeigt.
Über die Vergabe des Preises entscheidet während der Laufzeit der Ausstellung eine Jury. Dieser gehörten 2026 Vertreter:innen der Stadtratsfraktionen und des städtischen Beirats für Fragen der Bildenden Kunst sowie zwei auswärtige Kunstsachverständige an. Vorsitzende der Jury ist qua Amt Kulturdezernent Ata Delbasteh, der dieses Jahr durch den Leiter des Amts für Kultur und Bibliotheken, Dr. Stephan Fliedner, vertreten wurde.

