Mainz stellt Hitzeaktionsplan und Hitzeschutzleitfaden für städtische Kitas vor
Die Sommer in Mainz werden heißer. Hitzewellen treten häufiger auf und dauern länger an. Sie belasten insbesondere ältere Menschen, Kinder, chronisch Erkrankte sowie weitere besonders gefährdete Personengruppen. Mit dem neuen Hitzeaktionsplan "Mensch und Gesundheit" und einem ergänzenden Hitzeaktionsplan für die städtischen Kindertagesstätten reagiert die Landeshauptstadt Mainz auf diese Entwicklung und bündelt stadtweit Maßnahmen zum gesundheitlichen Hitzeschutz.
Der Hitzeaktionsplan "Mensch und Gesundheit" ist ein Baustein der gesamtstädtischen Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, die der Stadtrat im Februar 2025 beschlossen hat. Weitere Bausteine umfassen Maßnahmen in den Bereichen "Stadtgrün", "Gebaute Umwelt", "Gewässer und VES" sowie "Land und Natur" (siehe Grafik anbei). Während die Klimaanpassungsstrategie die langfristige Ausrichtung der Landeshauptstadt Mainz für den Umgang mit den vielfältigen Folgen des Klimawandels festlegt, konzentriert sich der Hitzeaktionsplan auf kurzfristig wirksame Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung.
Der Hitzeaktionsplan orientiert sich dabei an den fachlichen Empfehlungen des Landes Rheinland-Pfalz und setzt diese auf kommunaler Ebene um. Gleichzeitig ergänzt er die langfristigen Maßnahmen der Mainzer Klimaanpassungsstrategie um konkrete Abläufe, Zuständigkeiten und Kommunikationswege für den Umgang mit Hitzewarnlagen. So greifen die verschiedenen Ebenen ineinander: Das Land gibt den fachlichen Rahmen vor, die Klimaanpassungsstrategie definiert die langfristige Ausrichtung der Stadt Mainz und der Hitzeaktionsplan sorgt für die praktische Umsetzung im Verwaltungsalltag.
Kernstück des Hitzeaktionsplans ist eine vierstufige Kommunikationskaskade, die sich an den Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes orientiert. Bereits bei einem Hinweis auf eine mögliche Hitzebelastung informiert und sensibilisiert die Stadtverwaltung die Bevölkerung mit Verhaltenstipps und bereitet die Aktivierung ihrer Netzwerke vor. Erreicht die Hitzebelastung die Warnstufe 1 – starke Wärmebelastung, werden relevante Informationen an Einrichtungen und Multiplikator:innen wie Pflegeeinrichtungen, soziale Träger, Kitas oder Beratungsstellen weitergegeben, damit insbesondere besonders gefährdete Menschen frühzeitig erreicht werden. Bei Warnstufe 2 – extremer Wärmebelastung werden zusätzlich konkrete Hilfsangebote wie Hinweise auf Trinkwasserstellen, kühle Aufenthaltsorte und Unterstützungsangebote für vulnerable Bevölkerungsgruppen verstärkt kommuniziert. Die Warnstufe 3 greift bei einer extremen Hitzeperiode und ergänzt die beiden vorhandenen Warnstufen. Sie kommt in länger anhaltenden und außergewöhnlich stark belastenden Hitzeperioden zum Zug. Dann stehen weitergehende Schutzmaßnahmen und Handlungsempfehlungen im Vordergrund, beispielsweise die konsequente Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung oder die Anpassung von Veranstaltungen und Aktivitäten im Freien. Ziel der Kommunikationskaskade ist es, Informationen schnell und zielgerichtet an diejenigen weiterzugeben, die sie am dringendsten benötigen, und gesundheitliche Risiken durch extreme Hitze möglichst zu reduzieren.
"Der Klimawandel ist längst in unserem Alltag angekommen. Hitze zählt mittlerweile zu den größten klimabedingten Gesundheitsrisiken. Mit dem Hitzeaktionsplan schaffen wir klare Strukturen und sorgen dafür, dass Informationen und Hilfsangebote die Menschen schnell erreichen. Klimaanpassung bedeutet für uns vor allem, die Gesundheit der Mainzer:innen zu schützen und unsere Stadt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen", sagt Umweltdezernentin Janina Steinkrüger.
Eigener Hitzeaktionsplan für die städtischen Kitas
Kinder reagieren besonders sensibel auf hohe Temperaturen. Deshalb wurde parallel ein eigener Hitzeaktionsplan für die städtischen Kindertagesstätten (Öffnet in einem neuen Tab) entwickelt. Er unterstützt die Kita-Leitungen mit einem verbindlichen, praxisnahen Leitfaden für den Umgang mit Hitze und schafft gleichzeitig ausreichend Handlungsspielraum für die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort.
Der Leitfaden enthält unter anderem eine Temperatur-Ampel mit klar definierten Handlungsstufen, regelmäßige Temperaturmessungen und Dokumentationen, Tageschecklisten sowie konkrete Maßnahmen für Gruppenräume, Schlafbereiche, Küchen und Außengelände. Je nach Temperatur reichen diese von zusätzlichen Trink- und Abkühlangeboten über die Anpassung des Tagesablaufs und der Verpflegung bis hin zur Nutzung kühlerer Räume oder einer freiwilligen früheren Abholung der Kinder durch ihre Eltern.
Die städtischen Kindertagesstätten haben die Möglichkeit selbstständig über ihren Bedarf an Sonne- und Hitzeschutz vor Ort zu entscheiden und entsprechende Anschaffungen zu tätigen. So können für den Innenbereich Ventilatoren und mobile Klimageräte angeschafft oder auch für das Außengelände Rasensprenger oder Wasserspielzeug gekauft werden.
Kinderdezernentin Jana Schmöller erklärt: "Kinder gehören zu den besonders hitzeempfindlichen Bevölkerungsgruppen. Mit dem Hitzeaktionsplan geben wir unseren Kitas einen klaren und praxistauglichen Handlungsrahmen an die Hand, damit Kinder und Beschäftigte auch an sehr heißen Tagen bestmöglich geschützt sind. Gleichzeitig schaffen wir mehr Handlungssicherheit für die Einrichtungen und mehr Transparenz für die Eltern."
Unterstützung erhält die Stadt Mainz auch von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz. Markus Schwan, Leitung Fachbereich Aufsichtsdienst Bildungseinrichtungen, sagt: "Ich unterstütze den Hitzeaktionsplan der Stadt Mainz für Kitas, weil er aus Sicht der Unfallkasse Rheinland-Pfalz hilft, die Kinder und das Personal bestmöglich zu schützen. Gerade an heißen Tagen ist es wichtig, frühzeitig vorbereitet zu sein, um die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Beteiligten in den Kindertagesstätten zu sichern. Der Plan gibt klare, praktische Hilfen an die Hand, damit im Kita-Alltag schnell und richtig reagiert werden kann – und besonders die Kinder unbeschwert und sicher durch den Sommer kommen."
Sozialdezernentin Jana Schmöller richtet außerdem einen Appell an die Mainzer Bevölkerung: "Hitzeschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Bitte achten Sie an heißen Tagen nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf Ihre Mitmenschen. Fragen Sie ältere Nachbar:innen, alleinlebende Menschen oder gesundheitlich eingeschränkte Personen, ob sie Unterstützung benötigen oder ausreichend trinken. Oft reicht schon ein kurzer Besuch oder ein Anruf, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden."
Hitzetipps für den Alltag
Die Stadt Mainz empfiehlt allen Bürger:innen, sich frühzeitig auf heiße Tage einzustellen. Besonders wichtig ist es,
- regelmäßig zu trinken – möglichst bereits, bevor Durst entsteht,
- vorzugsweise Wasser, Mineralwasser oder ungesüßte Frucht- und Kräutertees zu trinken,
- körperliche Anstrengungen möglichst in die Morgen- oder Abendstunden zu verlegen,
- direkte Sonneneinstrahlung insbesondere in der Mittagszeit zu vermeiden,
- leichte Kleidung und eine Kopfbedeckung zu tragen,
- Wohnräume morgens und nachts zu lüften und tagsüber konsequent zu verschatten,
- sowie auf ältere Menschen, Kinder und pflegebedürftige Personen besonders zu achten.
Kostenlose Abkühlung in Mainz
Gerade Familien finden in Mainz zahlreiche Möglichkeiten zur Abkühlung. Die kostenfreien Wasserspielplätze im Volkspark, auf dem Goetheplatz, am Fort Elisabeth sowie im Hartenbergpark bieten an heißen Tagen eine willkommene Erfrischung. Über die Internetseite der Stadt kann jederzeit der aktuelle Betriebsstatus der einzelnen Anlagen eingesehen werden.
Wer unterwegs seine Trinkflasche auffüllen möchte, kann außerdem das Angebot "Wasser to go" nutzen. Auf Initiative des Mainzer Mediziners Christoph Lembens haben sich in der Altstadt zahlreiche Gewerbetreibende zusammengeschlossen, um Bürger das kostenfreie Auffüllen mitgebrachter Trinkflaschen mit Leitungswasser zu ermöglichen. Die bereits im Rahmen des Masterplans 100 % Klimaschutz gestartete Refill-Kampagne wurde mit der 2025 beschlossenen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel reaktiviert und gemeinsam mit Lembens weiter ausgebaut.
Inzwischen beteiligen sich auch städtische Einrichtungen an der Aktion. Das Angebot schafft insbesondere an heißen Tagen einen niedrigschwelligen Zugang zu kostenfreiem Trinkwasser und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitsschutz – insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen.
Die Informationen auf der Internetseite der Stadt Mainz werden entsprechend ergänzt. Weitere Informationen zur bundesweiten Refill-Kampagne sind unter https://refill-deutschland.de/ (Öffnet in einem neuen Tab) verfügbar.
Darüber hinaus informiert die Stadt über öffentliche Trinkwasserbrunnen und weitere Möglichkeiten, auch unterwegs ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen: https://www.mainz.de/angebote-entdecken/gruenes-mainz/freizeitaktivitaeten/spielplaetze-und-wasserspielplaetze (Öffnet in einem neuen Tab)
Für künftig häufiger auftretende und länger andauernde Hitzewellen prüft die Stadtverwaltung zudem weitere Maßnahmen zum Hitzeschutz. Dazu gehört auch die Einrichtung gekühlter Schutzräume für besonders belastende Hitzeperioden. Bereits jetzt informiert die Landeshauptstadt Mainz fortlaufend über kühle Aufenthaltsorte im Stadtgebiet. Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht findet sich unter der Rubrik "Wo finde ich kühlere Orte?" (Öffnet in einem neuen Tab) auf der Internetseite der Stadt.
Der Hitzeaktionsplan versteht sich als dynamisches Instrument. Die Maßnahmen werden regelmäßig ausgewertet und weiterentwickelt, um den Schutz der Mainzer Bevölkerung angesichts zunehmender Hitzeereignisse kontinuierlich zu verbessern. Weitere Informationen, Verhaltenstipps sowie Hinweise auf kühle Orte und Hitzeschutzangebote stellt die Landeshauptstadt Mainz hier zur Verfügung: https://www.mainz.de/microsite/klimaneutral/anpassungen-an-den-klimawandel/hitze-mainz (Öffnet in einem neuen Tab)