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23. Juni 2026

Mainz stärkt fachliche Vernetzung für Kinder psychisch u. suchterkrankter Eltern

Wie können Kinder und ihre Familien unterstützt werden, wenn Elternteile psychisch und/oder suchterkrankt sind? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 17. Juni 2026 rund 200 Fachkräfte auf der Mainzer Netzwerkkonferenz nach dem Landeskinderschutzgesetz im Bürgerhaus Hechtsheim, zu der die Fachstelle Frühe Hilfen, Kinderschutz und Familienbildung der Landeshauptstadt Mainz geladen hatte.

Psychische Erkrankungen und/oder Suchterkrankungen von Elternteilen gehören zu den größten, aber wenig sichtbaren Belastungen für Kinder und Jugendliche. Bundesweit wachsen ca. 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche mit einem psychisch erkrankten und/oder suchterkrankten Elternteil auf. Das entspricht etwa jedem vierten jungen Menschen. Übertragen auf Mainz könnten bis zu 9.000 Kinder betroffen sein. 

„Kinder mit psychisch und/oder suchterkrankten Eltern benötigen besondere Aufmerksamkeit und frühe Unterstützung. Sie tragen häufig erhebliche Belastungen und haben ein deutlich erhöhtes Risiko selbst psychisch zu erkranken. Umso wichtiger sind niedrigschwellige Hilfen, ein verständnisvolles Umfeld sowie eine gute Vernetzung und Zusammenarbeit von Fachkräften“, betont Jana Schmöller, Dezernentin für Soziales, Kinder, Jugend und Gesundheit. 

Die jährliche Netzwerkkonferenz bringt Fachkräfte aus Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Schulen, Beratungsstellen, Sozialdiensten, Polizei und weiteren Institutionen zusammen, die mit Kindern, Jugendlichen und Familien zusammenarbeiten. Ziel ist es, Wissen über die besonderen Bedarfslagen betroffener Familien zu vertiefen, Unterstützungsangebote sichtbar zu machen und die Zusammenarbeit der Akteur:innen weiter zu stärken. 

Nach der Begrüßung durch Miriam Wolf, Teamleitung der Fachstelle Frühe Hilfen, Kinderschutz und Familienbildung sowie Patrik Maniel, Abteilungsleiter Allgemeiner Sozialer Dienst und Besondere Soziale Dienste im Amt für Jugend und Familie der Landeshauptstadt Mainz, setzte ein Vortrag von Dr. Michael Hipp, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie den fachlichen Schwerpunkt. Er beleuchtete die Auswirkungen psychischer und suchtbedingter Erkrankungen von Eltern auf die Entwicklung von Kindern sowie Möglichkeiten frühzeitiger, familienzentrierter Prävention und traumasensibler Unterstützung der Eltern durch Fachkräfte. Er betonte, dass reflektierte Fachkräfte für die betroffenen Eltern „Sicherheitsbeauftragte“ sein können, die Eltern die Fürsorge entgegenbringen, die sie in ihrer eigenen Kindheit vielleicht zu wenig erlebt haben.

Eine psychische Erkrankung oder Suchterkrankung eines Elternteils kann nicht nur für die Eltern selbst, sondern insbesondere auch für betroffene Kinder und Jugendliche eine schwerwiegende, dauerhafte Belastungssituation darstellen. Mit der Erkrankung eines Elternteils sind oft viele Herausforderungen und Spannungen sowohl innerhalb der Familie als auch im sozialen Umfeld verbunden. Statistisch gesehen sind betroffene Kinder häufiger von Kindeswohlgefährdung betroffen und haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, im Lauf ihres Lebens selbst psychisch zu erkranken. Um dies zu verhindern, ist es wichtig, sie und ihre Familien rechtzeitig zu unterstützen, zu entlasten und zu schützen. Diese Kinder und ihre Eltern sind ganz besonders auf ein stigmasensibles, unterstützendes soziales Umfeld und auf bedarfsorientierte, qualifizierte Hilfe und Versorgung angewiesen. Um die Situation dieser Kinder und ihrer Eltern zu verbessern, sind abgestimmte, zugängliche und vernetzte Hilfen für die ganze Familie notwendig. Erkrankte Eltern sollen keine Angst haben, sich Unterstützung zu suchen, sondern wissen, dass Ihnen und ihren Kindern geholfen wird.

Am Nachmittag präsentierten auf der Netzwerkkonferenz insgesamt 16 Organisationen und Träger beim „Markt der Möglichkeiten“ ihre Angebote für Familien, Kinder und Jugendliche. Die Teilnehmer:innen erhielten dabei einen umfassenden Überblick über bestehende Hilfen in Mainz und konnten sich fachübergreifend vernetzen. 

Die Stadt Mainz fördert – mithilfe von Landesmitteln nach dem Landeskinderschutzgesetz – ein gezieltes Angebot für Kinder mit psychisch und/oder suchterkrankten Eltern mit jährlich 29.791 Euro.  In Kooperation mit dem Beratungsangebot „Zebra“ bietet die Gruppe „Starke Kinder in herausfordernden Lebenssituationen“ des Trägers SBB Sozialtherapeutische Beratungsstelle Mainz gGmbH betroffenen Kindern im Alter von sieben bis 12 Jahren einmal wöchentlich einen geschützten Raum zur Förderung ihrer persönlichen Resilienz, Stärkung ihrer Selbstwirksamkeit und Entlastung von Verantwortungsgefühlen gegenüber den betroffenen Elternteilen. 

Die Fachstelle Frühe Hilfen, Kinderschutz und Familienbildung entwickelt in fachübergreifender Zusammenarbeit Angebote für Familien, koordiniert verschiedene Netzwerke, plant Fachveranstaltungen und bietet Beratung im Kinderschutz an. 

Teilnehmende 

Fachkräfte aus folgenden Bereichen nahmen teil: 

  • öffentliche und freie Kinder- und Jugendhilfe (Allgemeiner Sozialer Dienst, Eingliederungshilfe, Pflegekinderdienst, Kindertagesstätten, Kita-Sozialarbeit, Schulsozialarbeit, Erziehungsberatungsstellen, ambulante und stationäre Kinder- und Jugendhilfe, Anbieter von Familienbildung)
  • Gesundheitswesen, u. a. Familienhebammen, Kinderkrankenschwestern, psychiatrische Institutsambulanz, Sozialdienste der Unimedizin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen
  • Frühförderung
  • Schwangerenberatung
  • Eingliederungshilfe
  • Schulen
  • Polizei
  • Einrichtungen zum Schutz gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen
  • Familienbildungsstätten und Häuser der Familie
  • Drogenhilfe und Suchtprävention
  • Arbeitsagentur (Familienkasse)
  • Gesundheitsamt
  • Sozialamt
  • Landesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Rheinland-Pfalz e. V.
  • Flüsterpost
  • Schatten & Licht e. V.
  • Mütterpflege Deutschland e. V.
  • BINE, Fachberatungsstelle zum Thema "Fetale Alkoholspektrumstörung" (FASD) für Rheinland-Pfalz und das Saarland
Netzwerkkonferenz zum Thema Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern, Vortrag Prof. Hipp

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