Übergang Kita-Grundschule: "Übergangskompass" für alle städtischen Kitas
Die Verwaltung der Landeshauptstadt Mainz empfiehlt den politischen Gremien, den vom Land Rheinland-Pfalz entwickelten "Übergangskompass Kita–Grundschule" künftig als einheitliches Übergangsangebot in allen städtischen Kindertagesstätten einzuführen.
Eine entsprechende Beschlussvorlage wird zunächst in der Arbeitsgruppe Kindertagesförderung und im Jugendhilfeausschuss beraten, bevor der Stadtrat am 9. September 2026 über den Vorschlag entscheidet.
Der Übergangskompass ist ein vom Bildungsministerium Rheinland-Pfalz geförderter und gemeinsam vom Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit (IBEB), dem Pädagogischen Landesinstitut und der Praxis (Kitas und Grundschulen) entwickeltes Instrument für den Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule. Im Mittelpunkt steht das Ziel, den Schulstart für jedes Kind bedarfsgerecht zu gestalten. Dabei werden die Perspektiven aller Beteiligten, Kinder, Eltern, pädagogische Fachkräfte und Grundschulen, einbezogen. Der Übergangskompass schafft verbindliche Strukturen für die Zusammenarbeit, unterstützt den gemeinsamen Austausch über die Entwicklung des Kindes und stellt praxistaugliche Materialien sowie Handlungsempfehlungen für Kitas und Grundschulen bereit.
Das Ziel des Übergangskompasses ist es die Kinder individuell zu begleiten und die Kinder und Eltern aktiv in den Prozess einzubeziehen. Dabei helfen insbesondere die folgenden einheitlichen Qualitätsstandards:
- eine Dokumentation im Trialog aus der Sicht des Kindes, der Eltern, der Kita und der Grundschule,
- Netzwerkanalysen für die beteiligten Akteur:innen im Bildungsbereich
- regionale Übergangswerkstätten unter Beteiligung aller relevanten Partner:innen,
- Instrumente zur Qualitätsentwicklung im Diskurs (QID) zur Stärkung der Kooperation zwischen Kita und Grundschule,
- ein Übergangskalender für Kinder und Eltern,
- ein begleitendes Bilderbuch,
- FAQ-Materialien zur Schuleingangsuntersuchung für Kinder, Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte.
"Ein gelungener Schulstart darf keine Frage der Zufälle sein. Jedes Kind wird individuell in den Blick genommen und soll so die gleichen Chancen haben erfolgreich in die Grundschule zu wechseln. Der Übergangskompass hilft dabei, Kinder und ihre Familien individuell zu begleiten und Kitas sowie Grundschulen noch enger zusammenzubringen und die strukturierte Zusammenarbeit zu fördern. Das ist ein wichtiger Beitrag für mehr Chancengerechtigkeit und gute Bildungsbiografien von Anfang an", sagt Kinder- und Jugenddezernentin Jana Schmöller.
Die Landeshauptstadt Mainz beteiligt sich bereits aktiv an der Entwicklung und Erprobung des Konzepts. Aktuell nehmen zwei städtische Kindertagesstätten sowie mehrere Einrichtungen freier Träger gemeinsam mit einer Grundschule an der Evaluation teil. Die bisherigen Erfahrungen sind nach Einschätzung der Verwaltung durchweg positiv. Besonders hervorgehoben werden die stärkere Orientierung an den individuellen Entwicklungsprozessen der Kinder, die enge Einbindung der Eltern sowie die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen.
Grundlage des Verwaltungsvorschlags sind zudem umfangreiche Erhebungen zur bisherigen Übergangsgestaltung in Mainz. Diese zeigen, dass es zwar vielerorts eine gute Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen gibt, diese jedoch häufig auf informellen Absprachen beruht. Gleichzeitig wünschen sich sowohl Kindertagesstätten als auch Grundschulen verbindlichere Kooperationsstrukturen und ein gemeinsames, einheitliches Übergangskonzept. Nach Auffassung der Verwaltung greift der Übergangskompass diese Anforderungen auf und bietet hierfür geeignete Instrumente.
Bereits im November 2026 ist ein gemeinsamer Fachtag mit dem Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit (IBEB) geplant. Dort sollen Leitungen und Fachkräfte der städtischen Kindertagesstätten sowie der Grundschulen das Konzept kennenlernen und gemeinsam die Umsetzung vorbereiten. Die Einführung des Übergangskompasses soll anschließend ab Januar 2027 beginnen, sodass das Konzept mit Beginn des Kita-Jahres 2027/2028 flächendeckend in den städtischen Einrichtungen eingesetzt werden kann.
Mit diesem Vorschlag verfolgt die Verwaltung das Ziel, den Übergang von der Kita in die Grundschule künftig stadtweit nach einheitlichen Qualitätsstandards zu gestalten und allen Kindern unabhängig von ihrer Einrichtung vergleichbare Chancen auf einen gelungenen Schulstart zu ermöglichen. Bisher gab es nur in der Mainzer Neustadt mit dem Projekt "Schulzeit" ein flächendeckendes Angebot des Kinderschutzbundes, das von der Stadt Mainz finanziert wurde. Mit dem stadtweiten Angebot des Übergangskompasses wird das Projekt entsprechend eingestellt. Wir danken dem Kinderschutzbund für die Zusammenarbeit, die in vielen weiteren Projekten weiterläuft.