Inhalt anspringen
07. September 2026

Sali-Levi-Haus eröffnet: Neuer Zugang zum Welterbe am Mainzer Judensand

Besuchszentrum vermittelt die Geschichte des mittelalterlichen Magenza / Festakt und Bürgerfest zur Eröffnung

Mit einem Festakt und einem anschließenden Bürgerfest hat die Landeshauptstadt Mainz am Sonntag, 6. September 2026, das neue Besuchszentrum Sali-Levi-Haus am Alten Jüdischen Friedhof eröffnet. Das Haus schafft einen neuen Ort der Information, Begegnung und Vermittlung an der UNESCO-Welterbestätte. Eine Dauerausstellung führt in die Geschichte des mittelalterlichen Magenza ein und zeigt, welche Bedeutung die jüdische Gemeinde von Mainz für das europäische Judentum hatte.

Von seiner erhöhten Lage eröffnet das Sali-Levi-Haus einen besonderen Blick über den Judensand. Besucher:innen können sich dem Friedhof und seiner Geschichte von hier aus annähern, ohne die religiöse Bedeutung und die Würde der Begräbnisstätte zu beeinträchtigen.

Gruppenbild vor dem Schriftzug SchUM Besuchszentrum
Bei der feierlichen Eröffnung: Janina Steinkrüger, Umweltdezernentin der Landeshauptstadt Mainz; Monika Fuhr, Beauftragte des Ministerpräsidenten für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen in Rheinland-Pfalz; Samuel Hogarth, Kapellmeister Staatstheater Mainz; Sabine Bätzing-Lichtenthäler, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz; Dr. Regina Lackner, Enkelin von Sali Levi; Daniel Köbler, Bürgermeister der Landeshauptstadt Mainz; Anna Kischner, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen; Adolf Kessel, Oberbürgermeister der Stadt Worms; Nino Haase, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz; Karsten Lange, Ordnungsdezernent der Stadt Mainz; Dr. h.c. Katharina von Schnurbein, Koordinatorin der Europäischen Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens; Manuela Matz, Wirtschaftsdezernentin der Landeshauptstadt Mainz; Ludwig Holle, Dezernent für historisches Erbe der Landeshauptstadt Mainz; Katrin Eder, MdL; Aharon Ran Vernikovsky, Rabbiner; Katharina Binz, stv. Landtagspräsidentin Rheinland-Pfalz (v.l.n.r.)

"Mit dem Sali-Levi-Haus erhält der Judensand einen Ort, von dem aus seine Geschichte verständlich und zugleich respektvoll vermittelt werden kann. Das Besuchszentrum macht sichtbar, welche Bedeutung Magenza für das jüdische Leben in Europa hatte und welche Verantwortung daraus für Mainz bis heute erwächst. Es lädt Menschen aus Mainz und aller Welt dazu ein, sich mit diesem besonderen Ort auseinanderzusetzen", sagt Oberbürgermeister Nino Haase.

Zu den Gästen der feierlichen Eröffnung gehörten neben Oberbürgermeister Nino Haase unter anderem Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, stellvertretende Ministerpräsidentin des Lands Rheinland-Pfalz, Katharina Binz, Vizepräsidentin des Landtags Rheinland-Pfalz, Dr. Katharina von Schnurbein, Koordinatorin der Europäischen Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens, und Brian Heath, Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika. Auch Vertreter:innen aus Politik und jüdischem Leben, aus den SchUM-Städten sowie von beteiligten Institutionen und Projektpartnern nahmen an dem Festakt teil.

"Für die Jüdische Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen ist die Eröffnung des Sali-Levi-Hauses ein besonderer Moment. Wir verstehen uns als Nachfolgegemeinde der mittelalterlichen Mainzer SchUM-Gemeinde und tragen damit eine besondere Verantwortung für dieses einzigartige Erbe. SchUM steht für eine jüdische Geschichte, die weit über Mainz hinausreicht und ein bedeutender Teil der europäischen Geschichte ist. Das neue Besuchszentrum schafft einen Ort, an dem diese Geschichte sichtbar und zugänglich wird – eine Geschichte der Gelehrsamkeit, des religiösen und kulturellen Lebens, aber auch der Verfolgung und Vertreibung", sagt Anna Kischner, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen.

"Die SchUM-Gemeinden mit ihrer Wirkung über die Jahrhunderte, zeigen eindrucksvoll jüdisches Leben als integralen Bestandteil europäischer Geschichte. Mit der Anerkennung als UNESCO Weltkulturerbe und der heutigen Eröffnung des Sali-Levi-Haus, haben die vielen Geschichten, die der Mainzer Judensand und die SchUM-Stätten erzählen einen neuen Ort gefunden. Jüdisches Erbe sichtbar zu machen ist ein Schlüssel für die Wahrnehmung von jüdischem Leben heute. Dass Juden in Europa wieder unter Druck stehen, ist völlig inakzeptable. Dem muss mit allen Mitteln entgegengetreten werden. Antisemitismus zurückzudrängen heißt demokratische Werte zu verteidigen. Das Sali-Levi-Haus, als ein Zentrum des Lernens und Austausches, wird dazu einen entscheidenden Beitrag leisten," schließt Katharina von Schnurbein, Koordinatorin der Europäischen Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens, an.

Einer der ältesten jüdischen Friedhöfe Europas

Der Alte Jüdische Friedhof „Judensand“ gehört zu den ältesten und bedeutendsten jüdischen Begräbnisstätten Europas. Nahezu 1.700 historische Grab- und Gedenksteine zeugen von mehr als 1.000 Jahren jüdischer Geschichte. Der Judensand bildet zusammen mit den jüdischen Monumenten in Speyer und Worms das serielle UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz, das 2021 als erstes Welterbe zur jüdischen Geschichte in Deutschland auf der Welterbeliste eingetragen wurde.

Das Besuchszentrum erinnert mit seinem Namen an den Mainzer Rabbiner Sali Levi. Gemeinsam mit Rabbiner Siegmund Salfeld brachte er wiederentdeckte mittelalterliche Grabsteine auf den Judensand zurück. Aus ihnen entstand der 1926 eingeweihte Denkmalfriedhof, dessen 100-jähriges Bestehen in diesem Jahr begangen wird.

Das Sali-Levi-Haus ist das erste Besuchszentrum im Welterbe SchUM-Stätten und ist auf einer oberhalb des Friedhofs gelegenen Plattform, dem neuen Siegmund-Salfeld-Platz, errichtet worden. Gemeinsam mit dem neu gestalteten Eingang an der Mombacher Straße und der sogenannten „sprechenden Hülle“ aus Hecke, Zaun und Sichtfenstern eröffnen es neue Perspektiven auf den Friedhof. Der Zugang zum Denkmalfriedhof bleibt gläubigen Personen aus religiösen Motiven vorbehalten.

Nach dem Gestaltungswettbewerb im Jahr 2019 begannen 2021 die Planungen; der Bau des Besuchszentrums und der Freianlagen startete im Juni 2024. Die Architektur des Sali-Levi-Hauses stammt vom Büro Holzer Kobler Architekten, die Freiraumplanung von SINAI Landschaftsarchitekten. Das Büro Bach Dolder und Anna Kraus Design Practice gestalteten die Dauerausstellung.

Der Vorplatz des Besuchszentrums wurde im Vorfeld in „Dr.-Siegmund-Salfeld-Platz“ benannt. Die Stadt würdigt damit den Mainzer Rabbiner und bedeutenden jüdischen Historiker Dr. Siegmund Salfeld (1843–1926), der ab 1880 in der Mainzer jüdischen Gemeinde wirkte und sich besonders um die Erforschung der jüdischen Geschichte verdient machte.

Bürgerfest und Eröffnungswoche

Im Anschluss an den Festakt feierten Mainzer:innen und Gäste der Stadt die Eröffnung mit einem Bürgerfest. Führungen über den zugänglichen Teil des Friedhofs und durch die neue Dauerausstellung ermöglichten erste vertiefende Einblicke. Familien und Kinder konnten die Geschichte der SchUM-Gemeinden am SchUMobil spielerisch entdecken. Parallel dazu öffnete die Jüdische Gemeinde die Neue Synagoge für Führungen und ein Konzert.

In den Tagen nach der Eröffnung wird das Programm mit Angeboten für Schulklassen, Führungen durch die Dauerausstellung sowie über den Alten und den Neuen Jüdischen Friedhof, der Klanginstallation "The Magenza Protocols" und weiteren Veranstaltungen im Rahmen der SchUM-Kulturtage fortgesetzt.

Weitere Informationen zum Judensand, zum Sali-Levi-Haus und zum Programm sind judensand-mainz.de (Öffnet in einem neuen Tab) sowie der beiliegenden Pressemappe zu entnehmen.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

Sprachauswahl

Schnellsuche