Rede des Oberbürgermeisters
Rede des Oberbürgermeisters Nino Haase zur Verleihung des Stadtschreiber-Literaturpreises 2026 an Autor Sven Regener.
Verehrte Damen und Herren,
es ist ein Höhepunkt im Kulturkalender der Landeshauptstadt Mainz – und daher freue ich mich sehr, Sie begrüßen zu dürfen:
- Geschätzter Preisträger Herr Sven Regener – mit Ehefrau Charlotte Goltermann
- Frau Dr. Bilke, (ZDF-Programmdirektorin)
- Frau Dr. Becker,
- Jury des Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreises
- Kolleg:innen aus dem Stadtvorstand, Mitglieder des Mainzer Stadtrates und des Kulturausschusses,
- Laudator Herr Malchow,
- und Sie alle, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Ehrengäste, liebes Publikum,
herzlich willkommen – hier im schönen LEIZA. Vielen Dank liebe Frau Professorin Busch, dass wir heute wieder bei Ihnen zu Gast sein dürfen. Ich freue mich, gemeinsam mit Ihnen Sven Regener als 41. Träger des Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreises in sein Amt einführen zu dürfen.
Das Amt des Mainzer Stadtschreibers, der Stadtschreiberin, blickt auf eine lange Tradition zurück: 1985 wurde der Preis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz erstmals verliehen. Seither konnten wir viele namhafte Autorinnen und Autoren für unsere Stadt und dieses Amt gewinnen. Sie alle haben es auf sehr persönliche Art geprägt und bereichert – ich nenne hier nur aus der jüngsten Vergangenheit Dörte Hansen, Alois Hotschnig, Julia Schoch, Annett Gröschner.
Ihre Amtszeit endet heute und ich nutze die Gelegenheit gerne, ihr im Namen der Bürgerinnen und Bürger zu danken – und empfehle Ihnen von Herzen: Annett Gröschners Film „Drei ostdeutsche Frauen bummeln durchs Land und prüfen die Schwerkraft der Verhältnisse.“
Der Film ist ein Geschenk zum Abschluss ihres Stadtschreiberjahres hier in Mainz und in der Mediathek von 3sat und ZDF abrufbar. Heute beginnt das neue Stadtschreiberjahr – für den renommierten Autor Sven Regener. Eine unverwechselbare Stimme der Gegenwartsliteratur. Ich bin mir sicher, Sie alle kennen den Preisträger.
Und wenn Sie nicht Herrn Regener selbst kennen, so kennen Sie Herrn Lehmann – den Protagonisten, der uns mit seiner ganz eigentümlichen Mischung aus Skepsis, Trägheit und feinem Humor in sein Berlin mitnimmt. Ein Berlin, das ganz klein ist, hauptsächlich beschränkt auf die Kneipe, den Tresen, die Gespräche. Herrliche Gespräche, oft mit wenig Worten, dafür umso mehr Tiefsinn.
Und sollten Sie Herrn Lehmann nicht kennen, was ich mir kaum vorstellen kann, dann kennen Sie aber die Kunst von Sven Regener – die Texte, die Lieder, seine musikalische Handschrift, mit der er uns als Sänger und Texter und Trompeter der Band Element of Crime seit Jahrzehnten begeistert: Lieder wie "Weißes Papier", "Delmenhorst", "Draußen hinterm Fenster".
Mit Sven Regener begrüßen wir in unserer Stadt einen herausragenden Künstler, der es versteht, Sprache, Musik und Zeitgeist auf unverwechselbare Weise miteinander zu verbinden. Es ist uns eine große Ehre und Freude, Sie bei uns zu haben, lieber Herr Regener. Die Mainzerinnen und Mainzer sind sehr neugierig auf Sie – auf Ihre Lesungen und auch auf das Konzert im Rahmen von "Summer in the City".
Wir sind aber auch gespannt auf Ihren Blick auf unsere Stadt: auf Ihre Begegnungen, Ihre Beobachtungen, auch auf die leisen Zwischentöne des Alltags, die Sie so meisterhaft einzufangen wissen. Mainz bietet viele Geschichten – und wir sind sicher, dass Sie einige davon neu zum Klingen bringen werden. In Worten oder in Tönen – mal schauen…
Ich danke der Jury, dass Sie Sven Regener nach Mainz gelockt hat. Eine großartige Entscheidung. Und ich bin mir sicher, lieber Herr Regener, auch Mainz ist für Sie genau die richtige Stadt.
Das Besondere an unserem Stadtschreiber-Literaturpreis ist, dass Sie, lieber Herr Regener, neben der Ehrung und dem Geldpreis auch ein Jahr lang in unserer Stadtschreiberwohnung residieren dürfen. Diese liegt direkt am Domplatz, mitten im Herzen von Mainz. Wir hoffen, dass Sie sich oft hier aufhalten werden und sich auch sehr wohl fühlen.
Aber da habe ich keine Zweifel. In einem Interview haben Sie gesagt: „Ich liebe Geschwätz. Ich liebe die Leute, die den Quatsch, der ihnen durch die Birne rauscht, einfach raushauen.“ Da sind Sie bei uns richtig. Die Mainzerinnen und Mainzer tragen ihr Herz auf der Zunge. Sie sind gastfreundlich und interessiert, humorvoll und gesellig.
Wenn Sie in Ihrem Lied singen „Warte auf mich. Draußen ist es zu dunkel für einen allein.“ – dann will ich Ihnen gerne antworten: Nicht in Mainz. In Mainz brennt in den wunderbaren Weinstuben (gefühlt) immer Licht und Sie können sich an jeden Tisch dazusetzen, zuhören, mitreden. Aber seien Sie gewarnt: Aus einem guten Gläschen Wein in der Altstadt könnte schnell ein langer Abend werden.
Lieber Herr Regener, ich heiße Sie herzlich willkommen als Mainzer Stadtschreiber und werde Ihnen nachher feierlich eine in unserem Gutenberg-Museum handgefertigte Urkunde überreichen – zusammen mit unserem Druckmeister.
Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche, produktive und inspirierende Zeit. Herzlich willkommen in Mainz!