Gut geschützt vor Zecken
Die klimatischen Entwicklungen mit zunehmend milden Wintern ermöglichen Zecken eine verlängerte Jahresaktivität. Zudem wandern neue Zeckenarten nach Deutschland ein. Dieser Umwelttipp informiert über Zecken, wie Sie sich schützen können und was zu tun ist, wenn Sie einen Zeckenstich haben.
Günstige klimatische Bedingungen für Zecken
Die klimatische Entwicklung mit zunehmend milden Wintern lassen inzwischen eine ganzjährige Zeckenaktivität und erhöhte Populationsdichten erwarten. In Deutschland ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) die häufigste Zeckenart. Es gibt aber auch weitere, zum Teil neue wärmeliebende Arten in geringerer Verbreitung, wie beispielsweise die Igelzecke (Ixodes hexagonus), die Schafzecke (Dermacentor marginatus), die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und Hyalomma-Zecken (Hyalomma marginatum, H. rufipes). Alle Arten können gefährliche Krankheiten übertragen. Sowohl Larven, Nymphen als auch die erwachsenen Tiere stellen somit für Mensch und Tier eine Gefährdung dar.
Das Leben einer Zecke
Der Holzbock saugt in seinem Leben drei Mal. Jede Blutmahlzeit leitet eine neue Phase ein, die jeweils ein gutes Jahr dauert. Eine Zecke wird also mit drei Stichen rund drei Jahre alt.
Das Zeckenweibchen legt im Herbst an einer geeigneten Stelle am Boden rund 2.000 Eier ab. Die Eier überwintern, bis im Frühjahr mikroskopisch kleine, geschlechtslose Larven schlüpfen. Ihre Wirte sind Kleinnager wie Mäuse, Eichhörnchen oder Igel. Haben die Zecken sich eine Blutmahlzeit geholt, häuten sie sich zum ersten Mal.
Es schlüpfen die Nymphen, die mit etwa einem Millimeter Körpergröße erkennbar sind. Mobiler als die Larven klettern sie an Gräsern und Sträuchern etwa einen halben Meter hoch. Auch ihr Stechapparat ist schon größer, dadurch können sie auch größere Wirte anfallen, etwa Rehe und auch Menschen. Auch diese Blutmahlzeit leitet eine Häutung ein.
Dann ist die Zecke geschlechtsreif. Nach der Paarung muss das Weibchen noch einmal mehrere Tage saugen, damit es Eier ablegen kann. In dieser Zeit erreicht ihr Körpergewicht das 200-Fache. Nach dem Stich lässt sich die Zecke fallen, legt ihre Eier und stirbt.
Von den 2.000 Eiern entwickeln sich im Schnitt nur zwei zu geschlechtsreifen Tieren. Die anderen sterben vorher. Ursachen dafür sind der lange Entwicklungszyklus und Trockenheit - der Hauptfeind der Zecke. Denn um zu überleben, braucht sie Feuchtigkeit und Wärme. Das erklärt auch ihren bevorzugten Lebensraum: Waldränder. Hier fällt warmes Sonnenlicht hin, doch gleichzeitig kann sich die Zecke ins feuchte Unterholz zurückziehen, wenn es ihr zu heiß und trocken wird. Der Mensch wird vor allem von Nymphen angefallen, denn zahlenmäßig kommen sie häufiger vor als erwachsene Zecken.
Zecken als Krankheitsüberträger
Die Zecke ist ein Hungerkünstler und kann gut ein Jahr auf einen Wirt warten. Da sich Zecken vom Blut anderer Tiere ernähren, können sie Krankheitserreger übertragen. Beim Zeckenstich - hierbei bohrt die Zecke ihren Stechrüssel in die Haut - überträgt sie Bakterien und Viren. Das kann Krankheiten, wie die Borreliose (bakteriell) oder die durch Viren hervorgerufene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen.
Die Lyme-Borreliose gilt als die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Deutschland. Sie kann verschiedene Organsysteme betreffen - vor allem die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Ein wichtiges Anzeichen für Borreliose sind kreisförmige Hautrötungen um die Stichstelle oder an anderen Körperteilen (Wanderröte). Typische Symptome sind brennende Nervenschmerzen, grippeähnliche Symptome oder Gelenkschmerzen, die manchmal erst Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich auftreten können. Eine Impfung gegen die bakterielle Infektion existiert bislang nicht, eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika ist jedoch in den meisten Fällen sehr wirksam.
Eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, die durch Viren hervorgerufen wird. Sie zeichnet sich durch grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen aus. Es kann aber auch zu Ausfällen des Nervensystems und zu bleibenden Schäden kommen.
In Rheinland-Pfalz wurde als einziges FSME-Risikogebiet der Landkreis Birkenfeld angrenzend zum Saarland eingestuft. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für Personen, die in FSME-Risikogebieten gegenüber Zecken exponiert sind, Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (zum Beispiel in der Forstwirtschaft oder Landwirtschaft arbeitende Personen) oder bei geplanten Reisen in FSME-Risikogebiete. Informationen zu Risikogebieten erhalten Sie beim Robert-Koch-Institut, siehe Linkliste unten.
Richtiges Verhalten und vorbeugende Maßnahmen
Bei der Suche nach einem Wirt reagieren Zecken auf drei Reize: Bewegung, Wärme und Duftstoffe. Sie spüren die Erschütterung, wenn sich ein Tier oder Mensch nähert, sie spüren die Körperwärme und nehmen den Körpergeruch oder Schweiß wahr. Durch ein besonderes Sinnesorgan in den Vorderbeinen können sie die Anwesenheit eines Wirts riechen. Kommt ein Mensch oder ein Tier vorbei, strecken Zecken die Vorderbeine aus und können sich mit winzigen Krallen blitzschnell am Wirt festhalten. Lange Hosen, feste Schuhe und Oberteile mit langen Ärmeln schützen. Und da Zecken meist in Kniehöhe im Gras oder Gebüsch sitzen, sinkt das Kontaktrisiko auf festen Wegen. War man im Gras oder im Wald, sollte man den Körper absuchen. Vor allem an folgenden Stellen nisten Zecken sich ein: Ohren, Haaransatz, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle.
Zecken frühzeitig zu finden und herauszuziehen verringert das Ansteckungsrisiko. Die in Deutschland häufigste Zeckenart saugt mehrere Tage. Gerade deshalb sucht sie eine Stunde oder länger nach einer möglichst geschützten Körperstelle. Die Borrelien werden erst bei längerem Saugen übertragen , da sie sich im Darm der Zecke befinden. Anders verhält es sich mit den FSME-Viren: Sie befinden sich in den Speicheldrüsen und können durch den Stich rasch ins Blut des Wirtes gelangen.
Insektenschutzmittel, wie man sie gegen Mücken verwendet, können auch gegen Zecken helfen. Die Wirkstoffe irritieren die Sinneswahrnehmungen der Zecken, sodass sie nicht zustechen können. Allerdings ist die Wirkung von Sprays zeitlich begrenzt und nach einigen Stunden muss das Spray erneut aufgetragen werden. Wer Präparate auf natürlicher Basis bevorzugt, kann z.B. Mittel mit Kokosöl oder ätherischen Ölen wie Eukalyptus verwenden.
Das ist zu tun nach einem Zeckenstich
So gehen Sie dabei vor:
- Greifen Sie die Zecke mit einer Pinzette, die nach innen gewinkelte Spitzen hat, einer Zeckenkarte oder einer Zeckenzange so nah wie möglich an der Hautoberfläche und ziehen sie sie langsam aus der Haut. Versuchen Sie, möglichst wenig Druck auf die Zecke auszuüben, da sonst Krankheitserreger aus der Zecke ins Blut gepresst werden können.
- Ziehen Sie Zecken immer an den Mundwerkzeugen heraus und niemals am vollgesogenen Körper.
- Wenn kein geeignetes Hilfsmittel vorhanden ist, kann man die Zecke auch mit den Fingernägeln herausziehen. Das Tier muss dabei aber möglichst nah an der Einstichstelle am Kopf gefasst werden, damit man es nicht zerquetscht.
- Beträufeln Sie die Zecke auf keinen Fall mit Öl, Klebstoff, Nagellackentferner oder anderen chemischen Substanzen. Diese Stoffe erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Zecke Erreger in die Einstichstelle abgibt.
- Wenn Sie die Zecke entfernt haben, können Sie die Einstichstelle desinfizieren. Prüfen Sie dabei, ob die Zecke restlos entfernt wurde. Dokumentieren Sie am besten, an welcher Körperstelle und wann der Zeckenbiss war. Kann die Zecke nicht vollständig entfernt werden oder entzündet sich die Einstichstelle, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.
Weitere Informationen
- Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz (Öffnet in einem neuen Tab)
- Stiftung Gesundheitswissen - Krankheitserreger Zecken (Öffnet in einem neuen Tab)
- FSME-Risikogebiete 2026 (Öffnet in einem neuen Tab)
- Impfempfehlung FSME (Öffnet in einem neuen Tab)
- Planetwissen.de - Zecken (Öffnet in einem neuen Tab)
- Deutsches Grünes Kreuz e.V. - Zeckenarten (Öffnet in einem neuen Tab)
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55116 Mainz
